Philipp Maurer

Prof.Dr.Philipp Maurer-Laudatio

Tanja Frising und Prof Dr.Maurer 2009

Tanja Frising und Prof Dr.Maurer 2009

Gerda Fassel: Laudatio für Philipp Maurer

Zur Verleihung des Berufstitels Professor im Bundeskanzleramt, am 19. Dezember 2005



Werte Anwesende, liebe Kollegen und Freunde!

Sehr geehrter Doktor Philipp Maurer!



Es ist mir eine Freude, für einen Menschen wie Philipp Maurer, der mir in meinem Leben so oft in positiver Art begegnet ist, eine Laudatio zu halten.
Profession, Professionalität, Professor ...
Begriffe, die für Wissen, Kompetenz und Engagement stehen sachgebietsorientiert.Philipp Maurers Interessensfeld ist ein weites: Bildende Kunst, Musik, Literatur, Kabarett alles unter einem philosophischen, einem zeit- und sozialkritischen Aspekt.
Als Humanist, als Aufklärer war er um eine objektive Aufbereitung von Wissensvermittlung zur Volksbildung, einer Volksbildung im anspruchsvollen Sinn, bemüht.
So konnte man, zum Beispiel, in seinem Bildungsprogramm ein Seminar zum Studium der Hegel"schen Ästhetik belegen oder in einem anderen sein Bewußtsein bezüglich der
Anzeichen von Irrationalität in unserer Gesellschaft schärfen.
Internationale Persönlichkeiten aus der Kunstwissenschaft referierten im Rahmen eines Symposions über den Kunsttheoretiker Max Raphael. Zudem gab es Vorträge der kritischen Kunsthistorikerin Hilde Zaloscer und anderer bedeutender Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Kunst, auch Konzerte und Theateraufführungen sowie Beiträge ganz anderer Art wie Landschaftsgestaltung, nämlich der Restaurierung und Revitalisierung historischer Gärten. Mir kamen all diese Seminare, Vorträge, nebst einem umfassenden Literatur- und einem kritischen Kabarettangebot, zugute. Um es bildhauerisch auszudrücken, sein Programm war der ersehnte Kontrapost zur gängigen Volksbildung heute verdichtet und auf den Punkt gebracht: Es war ein Programm, Philipp Maurer sei"s gedankt, jenseits von Strohsternen und Gewürzsträußchen.
Eben eine wahre Bereicherung, denn alles, was er bot, stand unter dem Stern der Vernunft, war erhellend. Alle meine Freunde und ich sowie meine Kollegen an der Universität haben dies in vollen Geisteszügen genossen!
Viele tummeln sich in der Wiener Kulturszene, nur wenige der Sache wegen.
Philipp Maurer leitete eine Galerie zum Zwecke der Förderung von Künstlern und hat durch seinen unterstützenden Umgang mit ihnen den besten Ruf erlangt, über Österreichs Grenzen hinaus. Er nahm Anteil an der Entstehung ihrer Arbeiten, aber auch an ihren Sorgen und Nöten, half, wo er konnte.
Er war Asyl den Künstlern, die selbstbestimmend arbeiten, sich der einseitigen Kulturpolitik nicht fügen, und für Kunststudenten unserer Akademien ein Sprungbrett.
Beklagenswert, daß er vor einem halben Jahr seines Amtes enthoben wurde. Waren es die gern zitierten finanziellen Gründe? Oder war es Philipp Maurers kritischer Anspruch?
Er organisierte eine Unzahl von Ausstellungen: Plastik und Skulptur im öffentlichen Raum (gemeinsam mit Dr. Dieter Schrage, damals Kurator des Museums Moderner Kunst im Palais Liechtenstein). Malerei. Graphik. Er betreute nicht nur österreichische Künstler, sie kamen aus aller Welt. Besonderen Kontakt pflegte er mit Südosteuropa, zeigte wiederholt Interessantes aus diesen Ländern.



Seine wahre Leidenschaft gilt der Druckgraphik. Ihrer Förderung hat er sich seit vielen Jahren hingebungsvoll gewidmet, ist mit Konvoluten von Graphiken seiner Künstler von Biennale zu Triennale geeilt, erfolgreich heimgekehrt, hat Beziehungen in Spanien, Frankreich, Slowenien und anderen Ländern geknüpft, ein Netzwerk ausgebaut und gefestigt.
Als Chefredakteur der Wiener Kunsthefte bot er Künstlern und Wissenschaftlern eine Plattform, eine Möglichkeit, sich über kulturelle gesellschaftliche Erscheinungen zu äußern, in einen Dialog einzutreten. Denn ihm ist wichtig, sich vorurteilsfrei Gewißheit über Zustände und Mißstände zu verschaffen, um eine Sache so darzustellen, wie sie ist.
Philipp Maurers Schriften, seine Publikationen insgesamt, sind umfangreich. Er schrieb Essays zur bildenden Kunst, Katalogtexte für seine Künstler, Buchrezensionen, Aufsätze zur Erwachsenenbildung, zur Literatur, zum Theater, zum Kabarett, zur Liedkultur.
Philipp Maurer kam 1952 in Wien zur Welt. Als echter Wiener beherrscht er zwar die Kunst des Raunzens aus dem Effeff, in voller Breite mit Treffsicherheit, sie ist aber nur in seinen kabarettistischen Gustostückerln zu hören. Ansonsten ist er der Typ, der zum Raunzen die Zeit nicht finden kann, weil Projekt um Projekt bewältigt werden muß, keinerlei Aufschub duldet, und weil sein Terminkalender, dem Umfang nach, dem Buch der Bücher gleicht.
Volksschule, Gymnasium mit abschließender Reifeprüfung; Bundesheer; schließlich Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Wien, Promotion zum Doktor der Philosophie.
1978 Heirat mit Leonore Rumpel, sie ist Stütze in seinem Leben und wertvolle, verläßlichste Mitarbeiterin.
Seit 1979 war er in der Wiener Volksbildung tätig, mit Schwerpunkt Literatur und bildende Kunst.
Ab 1986 Direktor der Kleinen Galerie und Chefredakteur der Wiener Kunsthefte sowie Redakteur und Autor der Literaturbeilage der Wiener Zeitung (bis 1989).
Von 1979 bis 2003 organisierte er regelmäßig Ausstellungen für die Insassen des Jugendstrafgefängnisses Gerasdorf und betreute sie kunstpädagogisch.
Von 1992 bis 1995 leitete er das Kulturzentrum LaWie in der Landstraße.
1997 neuer Standort der Kleinen Galerie in der Kundmanngasse, mit dem Spezialgebiet Druckgraphik; eröffnet wurde mit der Ausstellung Von Platten, Stöcken und Steinen durch den Experten für Druckgraphik Hofrat Prof. Dr. Walter Koschatzky, ehemals Direktor der Graphischen Sammlung Albertina.
Seine jährlichen Ausstellungen für Künstlerinnen zum Internationalen Frauentag, Frauen machen Druck, brachten seine Solidarität zum Ausdruck.
Seit 2000 ist er diplomierter akademischer Bildungsmanager.
Er ist Mitglied zahlreicher Kulturvereine sowie Wissenschaftsgesellschaften und hat etliche Ehrungen erfahren:
1994 den Förderungspreis für Volksbildung der Stadt Wien sowie die Jubiläumsmedaille der Polnischen Vereinigung in Österreich,
1995 die Medaille der österreichisch-polnischen Gesellschaft,
1998 die Cyrill und Method-Medaille für Verdienste um die bulgarische Kultur.

Kurzum: Er ist ein wahrer Professor. Wir danken ihm für sein bedingungsloses Engagement in künstlerischen sowie wissenschaftlichen Belangen und gratulieren ihm aus vollem Herzen!